Sophia Kennedy (USA)

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Samstag

Im Sommer 2017 ist ihr Debutalbum eingeschlagen und hinterließ Krater der Bewunderung weit über Deutschland hinaus. Das tönende Geschoss hieß SOPHIA KENNEDY, nach der in Baltimore, USA, aufgewachsenen und in Hamburg lebenden Musikerin selbst betitelt. Im Innern waren verlötet: sprachfreudiges und stimmstarkes Songwriting mit auch mal dunkel funkelnder Elektronik von Mense Reents (DIE VÖGEL, DIE GOLDENEN ZITRONEN). Alles auf einen Schlag da: der Glam der Showbühne, das Sprachspiel des Varietés und der Modernismus des Clubs. Soziale wie asoziale Medien waren hingerissen, Nerds und Normalsterbliche standen vereint in den vielen Konzerten, die folgten. Manchen schien die Welt so fast in Ordnung. Vor bald vier Jahren. Es ist noch immer SOPHIA KENNEDY, wie wir sie lieben. Aber sie ist jetzt viele. »Monsters« ist Musik zur bipolaren Gegenwart. Ein Album, das die Fliehkräfte der Zeit nicht abwehrt, sondern in dreizehn Songs zum Tanz bittet. Der Pop von SOPHIA KENNEDY ist kein Parteiprogramm, sondern ein Panoptikum der Möglichkeiten, die es angstfrei auszuprobieren gilt. »Are you fact, are you fiction / you appear in many shapes / we will both look the same / once we lie in our graves« singt Kennedy in der Strophe von »I Can See You«, die an Karen Dalton erinnert, eine US-amerikanische Folksängerin der Sechzigerjahre, der man die Genussmittel ähnlich gut anhörte wie Billie Holiday. Im Refrain klingen Kennedys Stimmbänder aber wieder so dehnbar wie das Gummi eines Steinschleuders. Unter- oder überspannt, high or low, orange or blue: Wer kann das immer auseinanderhalten?

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